Der Krankenkassen-Bonus – und das Finanzamt

Die von einer gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se gewähr­te Geld­prä­mie (Bonus) für gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten min­dert nicht den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, sofern hier­durch ein finan­zi­el­ler Auf­wand des Steu­er­pflich­ti­gen ganz oder teil­wei­se aus­ge­gli­chen wird. Dies gilt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs auch in den Fäl­len, in denen der Bonus pau­schal ermit­telt wird.

Sowohl der objek­ti­ve als auch der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG sind objekt­be­zo­gen zu prü­fen. Ob die Ver­mie­tungs­tä­tig­keit einen Total­über­schuss erwar­ten lässt, hängt von einer unter Her­an­zie­hung aller objek­tiv erkenn­ba­ren Umstän­de zu tref­fen­den Pro­gno­se über die vor­aus­sicht­li­che Dau­er der Ver­mö­gens­nut­zung, die in die­ser Zeit­span­ne vor­aus­sicht­lich erziel­ba­ren steu­er­pflich­ti­gen Erträ­ge und anfal­len­den Wer­bungs­kos­ten ab. Der Pro­gno­se­zeit­raum beginnt grund­sätz­lich mit dem Erwerb oder der Her­stel­lung des für die Pro­gno­se­ent­schei­dung maß­geb­li­chen Objekts. Ent­schließt sich der Steu­er­pflich­ti­ge, nach einer vor­an­ge­gan­ge­nen Ver­mie­tungs­tä­tig­keit eine ande­re Form der Ver­mie­tung auf­zu­neh­men, ist der sub­jek­ti­ve Tat­be­stand des § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG in die­sem Zeit­punkt neu zu bewer­ten.

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall der gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­te Klä­ger hat­te  von sei­ner Kran­ken­kas­se für „gesund­heits­be­wuss­tes Ver­hal­ten“ Boni von ins­ge­samt 230 € erhal­ten, u.a. für

  • einen Gesund­heits-Check-up,
  • eine Zahn­vor­sor­ge­un­ter­su­chung,
  • die Mit­glied­schaft in einem Fit­ness-Stu­dio und Sport­ver­ein sowie
  • für den Nach­weis eines gesun­den Kör­per­ge­wichts.

Das Finanz­amt behan­del­te die Boni im Hin­blick auf deren rein pau­scha­le Zah­lung als Erstat­tung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen und min­der­te den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug des Klä­gers. Dem­ge­gen­über wer­te­te das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Säch­si­sche Finanz­ge­richt die Zah­lun­gen als Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­se, die weder die Son­der­aus­ga­ben beein­fluss­ten, noch als sons­ti­ge Ein­künf­te eine steu­er­li­che Belas­tung aus­lös­ten 1.

Der Bun­des­fi­nanz­hof nimmt in sei­ner Ent­schei­dung, mit der er sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zur steu­er­li­chen Behand­lung von Bonus­zah­lun­gen gemäß § 65a SGB V (vgl. BFH, Urteil vom 01.06.2016 – X R 17/​15, BFHE 254, 111, BStBl II 2016, 989) wei­ter­ent­wi­ckelt, eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung vor. Danach  min­dern auch sol­che Boni, die nicht den kon­kre­ten Nach­weis vor­he­ri­gen Auf­wands des Steu­er­pflich­ti­gen für eine bestimm­te Gesund­heits­maß­nah­me er-for­dern, son­dern nur pau­schal gewährt wer­den, nicht den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug. Sie sind zudem nicht als steu­er­lich rele­van­te Leis­tung der Kran­ken­kas­se anzu­se­hen. Vor­aus­set­zung ist  aller­dings wei­ter­hin, dass die jeweils geför­der­te Maß­nah­me beim Steu­er­pflich­ti­gen Kos­ten aus­löst und die hier­für gezahl­te und rea­li­täts­ge­recht aus­ge­stal­te­te Pau­scha­le geeig­net ist, den eige­nen Auf­wand ganz oder  teil­wei­se aus­zu­glei­chen. Nimmt der Steu­er­pflich­ti­ge dage­gen Vor­sor­ge­maß­nah­men in Anspruch, die vom Basis­kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz umfasst sind (z.B. Schutz­imp­fun­gen, Zahn­vor­sor­ge), fehlt es an eige­nem Auf­wand, der durch einen  Bonus kom­pen­siert wer­den könn­te. In die­sem Fall liegt eine den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug min­dern­de Bei­trags­er­stat­tung der Kran­ken­kas­se vor. Glei­ches gilt für Boni, die für den Nach­weis eines auf­wands­un­ab­hän­gi­gen Ver­hal­tens oder Unter­las­sens (bspw. gesun­des Kör­per­ge­wicht, Nicht­rau­cher­sta­tus) gezahlt wer­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. Mai 2020 – X R 16/​18

Der Krankenkassen-Bonus - und das Finanzamt
  1. Sächs. FG, Urteil vom 05. April 2018 – 8 K 1313/​17[]