Urheberrechtsverletzung durch Filesharing – und die Schadensberechnung

File­sha­ring, also das Her­un­ter­la­den urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Wer­ke wie etwa Musik- oder Film­da­tei­en unter gleich­zei­ti­gem Zur-Ver­fü­gung-Stel­len für Drit­te, wie es typi­scher­wei­se bei File­aus­tausch­diens­ten erfolgt, ist ille­gal, wenn nicht die Erlaub­nis des Urhe­ber hier­zu vor­liegt. Soweit, so bekannt. Umstrit­ten war dage­gen bis­her die Fra­ge, ob der Inha­ber des Urhe­ber­rechts im Fal­le einer sol­chen Urhe­ber­rechts­ver­let­zung durch öffent­li­che Zugäng­lich­ma­chung im Wege des File­sha­rings einen Scha­dens­er­satz gemäß § 102 Satz 2 UrhG, § 852 BGB ver­lan­gen kann und wie die­ser Anspruch zu berech­nen ist. 

Die­se Fra­ge hat nun der Bun­des­ge­richts­hof durch sein Urteil vom 12.05.20161 im Sin­ne der Urhe­ber­rechts­in­ha­ber geklärt:

Danach kann der Rest­scha­dens­er­satz­an­spruch aus § 102 Satz 2 UrhG § 852 BGB, der sich auf die Her­aus­ga­be des durch den rechts­wid­ri­gen Ein­griff Erlang­ten erstreckt, in Fäl­len des wider­recht­li­chen öffent­li­chen Zugäng­lich­ma­chens eines urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Werks über eine Inter­net­tausch­bör­se mit­tels einer fik­ti­ven Lizenz berech­net wer­den2.

In der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs war bereits zuvor geklärt, dass für die Scha­dens­be­rech­nung in Fäl­len der vor­lie­gen­den Art die Lizenz­ana­lo­gie her­an­ge­zo­gen wer­den kann2. Die Höhe der zu zah­len­den Lizenz­ge­bühr hat, wie der Bun­des­ge­richts­hof nun betonn­te, der Tatrich­ter gemäß § 287 ZPO unter Wür­di­gung der beson­de­ren Umstän­de des Ein­zel­falls nach sei­ner frei­en Über­zeu­gung zu bemessen.

Der Anspruch aus § 102 Satz 2 UrhG, § 852 BGB ver­jährt gemäß § 852 Satz 2 BGB übri­gens erst in zehn Jah­ren von sei­ner Ent­ste­hung an, ohne Rück­sicht auf sei­ne Ent­ste­hung in 30 Jah­ren von der Bege­hung der Ver­let­zungs­hand­lung oder dem sons­ti­gen, den Scha­den aus­lö­sen­den Ereig­nis an3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2017 – I ZR 265/​15

  1. BGH, Urteil vom 12.05.2016 – I ZR 48/​15, GRUR 2016, 1280 = WRP 2017, 79 – Ever­y­ti­me we touch[]
  2. BGH, GRUR 2016, 1280 Rn. 95 ff. – Ever­y­ti­me we touch[][]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.01.2015 – I ZR 148/​13, GRUR 2015, 780 Rn. 28 = WRP 2015, 972 – Motor­rad­tei­le[]