Die Kosten des Erststudiums

Auf­wen­dun­gen für ein Erst­stu­di­um, das eine Erst­aus­bil­dung ver­mit­telt, sind nach § 9 Abs. 6 EStG 1 ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 nicht (mehr) als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn das Stu­di­um nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­det.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall hat­te eine Stu­den­tin Auf­wen­dun­gen für ihr Erst­stu­di­um als Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht. Da sie in den Streit­jah­ren kei­ne bzw. nur gering­fü­gi­ge Ein­künf­te erziel­te, woll­te sie die dadurch ent­ste­hen­den Ver­lus­te mit künf­ti­gen, nach dem Stu­di­um erziel­ten Ein­künf­ten ver­rech­nen.

Wie zuvor bereits das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf 2 woll­te auch der Bun­des­fi­nanz­hof der Kla­ge der Stu­den­tin – wie auch einer Rei­he wei­te­rer Kla­gen zur glei­chen Rechts­fra­ge- statt­ge­ben, sah sich dar­an aber auf Grund des § 9 Abs. 6 EStG gehin­dert, der mit Wir­kung ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 in das EStG auf­ge­nom­men wor­den ist. Danach sind die Auf­wen­dun­gen für eine Erst­aus­bil­dung nicht als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar. Deren Abzug kommt nur als Son­der­aus­ga­ben begrenzt auf 4.000 € bzw. ab dem Jahr 2012 auf 6.000 € in Betracht. Da der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nicht zu einem vor­trags­fä­hi­gen Ver­lust führt, wir­ken sich – wie auch im Fall der Stu­den­tin – die Auf­wen­dun­gen auf Grund der wäh­rend der Aus­bil­dung erziel­ten gerin­gen Ein­künf­te regel­mä­ßig nicht bzw. nicht in vol­lem Umfang steu­er­lich aus.

Aus die­sem Grund hielt der Bun­des­fi­nanz­hof die Bestim­mung des § 9 Abs. 6 EStG für ver­fas­sungs­wid­rig und hol­te im Rah­men eines Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren (Rich­ter­vor­la­ge) die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts  ein 3. Nach­dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jedoch  ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ent­schie­den hat, dass der Aus­schluss des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs von Berufs­aus­bil­dungs­kos­ten für eine Erst­aus­bil­dung außer­halb eines Dienst­ver­hält­nis­ses mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist 4, hat der Bun­des­fi­nanz­hof das zunächst aus­ge­setz­te Ver­fah­ren der Stu­den­tin wie­der auf­ge­nom­men und deren Kla­ge abge­wie­sen.

Beim Bun­des­fi­nanz­hof war eine Viel­zahl von Revi­sio­nen zu der­sel­ben Rechts­fra­ge anhän­gig. Sie betra­fen eben­falls den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug der Auf­wen­dun­gen für das Erst­stu­di­um sowie ins­be­son­de­re den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug der Auf­wen­dun­gen für die Pilo­ten­aus­bil­dung, die außer­halb eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fand. Die­se Ver­fah­ren wur­den nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auf ent­spre­chen­den recht­li­chen Hin­weis des Bun­des­fi­nanz­hofs zurück­ge­nom­men und durch Ein­stel­lungs­be­schluss erle­digt, so dass nur noch das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren ent­schie­den wer­den muss­te.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Febru­ar 2020 – VI R 17/​20

Die Kosten des Erststudiums
  1. i.d.F. des Bei­trR­LUmsG[]
  2. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 25.11.2011 – 1 K 2819/​08 F[]
  3. BFH, Vor­la­ge­be­schlüs­se vom 17.07.2014 – VI R 61/​11, VI R 2/​12, VI R 8/​12, VI R 38/​12, VI R 2/​13 und VI R 72/​13[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 19.11.2019  – 2 BvL 22−27÷14[]