Die Explosion im Fußballstadion

Das Wer­fen von Böl­lern im Fuß­ball­sta­di­on kön­nen zu einer Bewäh­rungs­stra­fe und dem Ver­bot der Teil­nah­me an Fuß­ball­ver­an­stal­tun­gen in sämt­li­chen Sta­di­en für ein Jahr füh­ren.

So hat das Jugend­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines 19 Jah­re alten Aus­zu­bil­den­den ent­schie­den, der am 19.10.2016 in der Alli­anz Are­na in Mün­chen einen Böl­ler zün­de­te. An die­sem Tag fand im Sta­di­on die Fuß­ball Cham­pions League Begeg­nung zwi­schen dem FC Bay­ern Mün­chen und dem PSV Eind­ho­ven mit 70 000 Besu­chern statt. Gegen 20.53 Uhr zün­de­te er im Gäs­te Fan-Block 344 einen Böl­ler und warf die­sen in den unter ihm lie­gen­den Mit­tel­rang. Der gezün­de­te Böl­ler lan­de­te dort zunächst auf der Schul­ter eines geschä­dig­ten Fuß­ball­fans und anschlie­ßend auf dem Boden. Dort explo­dier­te er. Der Fuß­ball­fan erlitt durch die Explo­si­on ein Knall­trau­ma und lei­det seit­dem an einem bei­der­sei­ti­gen Tin­ni­tus. Durch die Explo­si­on des Böl­lers wur­den wei­te­re Zuschau­er ver­letzt. Zwei Per­so­nen erlit­ten ein Knall­trau­ma. Ein wei­te­rer Fuß­ball Fan hat infol­ge eines Knall­trau­mas einen beid­sei­ti­gen Tin­ni­tus und eine Hoch­ton­schwer­hö­rig­keit am lin­ken Ohr. Bei einer wei­te­ren Per­son kam es für eini­ge Stun­den zu einem Ohren­d­röh­nen ein­her­ge­hend mit einem Hör­ver­lust. Eine ande­re Per­son erlitt nach einem Knall­trau­ma eine Hör­min­de­rung.

Nach sei­nen eige­nen Anga­ben hat­te er den Böl­ler von einem Lands­mann im Sta­di­on vor dem Trep­pen­auf­gang zuge­steckt bekom­men. Er sei in Beglei­tung sei­nes Stief­va­ters gewe­sen, der ihm die Ein­tritts­kar­te bezahlt hat­te.

In der Gerichts­ver­hand­lung wur­de das Video der Über­wa­chungs­an­la­ge im Sta­di­on in Augen­schein genom­men. Dar­auf ist deut­lich zu erken­nen, wie der jun­ge Mann cir­ca acht Minu­ten nach dem Anpfiff durch einen ziel­ge­rich­te­ten Wurf den Böl­ler in den Mit­tel­rang schleu­der­te, nach­dem er sich ein Feu­er­zeug von einem Umste­hen­den aus­ge­lie­hen hat­te und den Böl­ler damit gezün­det hat­te. Vor Gericht wur­de fest­ge­stellt, dass auch das gro­ße Erschre­cken im Mit­tel­rang Block 244 in Augen­schein genom­men wer­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Jugend­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass bei dem Ange­klag­ten Rei­fe­ver­zö­ge­run­gen nicht aus­ge­schlos­sen wer­den konn­ten und daher Jugend­straf­recht anzu­wen­den sei. Nach Auf­fas­sung des Gerichts sind die Gefah­ren die von einem Böl­ler mit 1,5 Gramm Spreng­stoff in einem voll­be­setz­ten Fuß­ball­sta­di­on aus­ge­hen, erheb­lich. Die­se Gefah­ren zei­gen sich nicht nur in den oben näher beschrie­be­nen kon­kret ver­wirk­lich­ten Kör­per­ver­let­zun­gen, son­dern dar­über hin­aus hat ein der­ar­ti­ger Spreng­satz auch ein weit­aus erheb­li­che­res Gefähr­dungs­po­ten­zi­al. Man den­ke in die­sem Zusam­men­hang ins­be­son­de­re dar­an, wenn der Spreng­stoff bei­spiels­wei­se in eine Kapu­ze oder einen Kra­gen gefal­len wäre oder sich in dem län­ge­ren Haar eines Besu­chers ver­fan­gen hät­te und dort zur Explo­si­on gelangt wäre. Auch kann vor dem Hin­ter­grund sich in jüngs­ter Zeit häu­fen­der ter­ro­ris­ti­scher Anschlä­ge eine Mas­sen­pa­nik nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn urplötz­lich ein sehr lau­ter Knall mit­ten in der Zuschau­er­men­ge ertönt. Auch die Art des Wurfs von unten und das sich danach anschlie­ßen­de demons­tra­tiv unauf­fäl­li­ge Ver­hal­ten des jun­gen Ange­klag­ten zei­gen, dass er sich des Unwert­ge­halts der Tat und sei­ner Dimen­si­on umfas­send bewusst war.

Die Tat­sa­che, dass acht Men­schen ver­letzt wur­den und zum Teil noch immer Beein­träch­ti­gun­gen haben, ist bei der Höhe der Jugend­stra­fe berück­sich­tigt wor­den. Dar­über hin­aus wur­de die Stra­fe zur Bewäh­rung aus­ge­setzt, da nach Ansicht des Jugend­ge­richts, der jun­ge Mann durch die Unter­su­chungs­haft deut­lich beein­druckt sei und das Gericht hofft, dass er auch ohne Straf­voll­zug in Zukunft kei­ne Straf­ta­ten mehr bege­hen wird. Außer­dem unter­sag­te das Jugend­ge­richt dem jun­gen Mann für die Dau­er von einem Jahr die Teil­nah­me an Fuß­ball­ver­an­stal­tun­gen in sämt­li­chen Sta­di­en. Zusätz­lich muss er an jeden Geschä­dig­ten Schmer­zens­geld in Höhe von jeweils 500,00 Euro zah­len.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 ‑1022 Ls 466 Js 220800 /​16 jug