Arbeits- und Gesundheitsschutz im Außendienst

Mit­ar­bei­ter im Außen­dienst sehen sich häu­fig mit ganz ande­ren Her­aus­for­de­run­gen, Belas­tun­gen und Risi­ken kon­fron­tiert als die Kol­le­gen im Innen­dienst. Das betrifft auch den betrieb­li­chen Arbeits- und Gesund­heits­schutz. Die blo­ße Tat­sa­che, dass ein Arbeit­neh­mer nicht in der eigent­li­chen Arbeits­stät­te tätig ist, ent­bin­det den Arbeit­ge­ber aber noch lan­ge nicht von sei­nen Für­sor­ge­pflich­ten. Auch Mit­ar­bei­ter im Außen­dienst müs­sen in den betrieb­li­chen Arbeits- und Gesund­heits­schutz inte­griert wer­den. Was es dabei zu beach­ten gilt, lesen Sie im vor­lie­gen­den Bei­trag.

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Außen­dienst­mit­ar­bei­ter sind das Aus­hän­ge­schild eines Unter­neh­mens. Sie fun­gie­ren als zen­tra­le Schnitt­stel­le zwi­schen Kun­den und Fir­ma.

Außendienst – Wichtige Schnittstelle zwischen Kunden und Firma

Außen­dienst­mit­ar­bei­ter sind viel unter­wegs. Ihre Auf­ga­be besteht dar­in, Kun­den im Her­stel­ler- bzw. Händ­ler­auf­trag zu besu­chen, tech­ni­sche Arbei­ten vor Ort durch­zu­füh­ren oder auch Ver­käu­fe abzu­wi­ckeln. Als Schnitt­stel­le zwi­schen Kun­den und Unter­neh­men sind sie maß­geb­lich für den wirt­schaft­li­chen Erfolg ihres Betriebs ver­ant­wort­lich. Durch ihr Auf­tre­ten sowie ihre fach­li­che und sozia­le Kom­pe­tenz ent­schei­den sie im Wesent­li­chen mit über die Bezie­hung zum Kun­den und damit auch über das Image der Fir­ma. Auf­grund der täg­lich wech­seln­den Auf­ga­ben, dem hohem Grad der Selbst­stän­dig­keit und den vie­len Sozi­al­kon­tak­ten stellt der Außen­dienst für vie­le Berufs­tä­ti­ge ein inter­es­san­tes, span­nen­des Arbeits­feld dar.

Außendienstmitarbeiter müssen im Arbeitsschutz Beachtung finden

Der Außen­dienst ist aber auch mit beson­de­ren Belas­tun­gen ver­bun­den, denen die Kol­le­gen im Innen­dienst in ihrem Arbeits­all­tag nicht begeg­nen. Die­se Fak­to­ren soll­te der Arbeit­ge­ber im betrieb­li­chen Arbeits­schutz unbe­dingt beach­ten. Han­delt es sich bei den Außen­dienst­mit­ar­bei­tern näm­lich um Ange­stell­te, gel­ten für die­se die­sel­ben arbeits­schutz­recht­li­chen Bedin­gun­gen wie für alle ande­ren Fest­an­ge­stell­ten auch. Trotz der beson­de­ren Umstän­de, die sich im Außen­dienst erge­ben, exis­tie­ren kei­ne spe­zi­fi­schen Rechts­nor­men für die Außen­dienst­tä­tig­keit. Unter­neh­men, die Mit­ar­bei­ter im Außen­dienst beschäf­ti­gen, soll­ten des­halb beson­de­res Augen­merk auf die Gefähr­dun­gen und Sicher­heits­ri­si­ken legen, denen ihre Außen­dienst­mit­ar­bei­ter in ihrem Arbeits­all­tag aus­ge­setzt sind.

Außendienst in die Gefährdungsbeurteilung einfließen lassen

Die Basis des betrieb­li­chen Arbeits­schut­zes stellt die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gemäß §5 Arb­SchG dar. Die­se dient dazu, alle poten­ti­el­len Gefah­ren­quel­len am Arbeits­platz sys­te­ma­tisch zu ermit­teln und geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men abzu­lei­ten. So sol­len die Sicher­heits- und Gesund­heits­ri­si­ken, denen die Arbeit­neh­mer bei der Aus­übung ihrer beruf­li­chen Tätig­keit aus­ge­setzt sind, auf ein abso­lu­tes Mini­mum begrenzt wer­den. Die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung lässt sich in sie­ben Schrit­ten erstel­len. Dabei geht es zunächst dar­um, die ver­schie­de­nen Arbeits­be­rei­che und Tätig­keits­fel­der der ein­zel­nen Mit­ar­bei­ter zu iden­ti­fi­zie­ren. Wenn Mit­ar­bei­ter im Außen­dienst tätig sind, muss ein ent­spre­chen­der Arbeits­be­reich defi­niert wer­den. Im Fol­gen sind für jeden ein­zel­nen Arbeits­be­reich spe­zi­fi­sche Gefähr­dun­gen zu ermit­teln und geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men abzu­lei­ten.

Im Außen­dienst ergibt sich eine beson­de­re Gefähr­dung bei­spiels­wei­se dar­aus, dass gera­de Ser­vice­kräf­te auf ihren Ein­sät­zen häu­fig selb­stän­dig Arbei­ten in Betriebs­be­rei­chen des Kun­den ver­rich­ten. Die­se müs­sen Gegen­stand der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sein. Geeig­ne­te Schutz­maß­nah­men kön­nen hier im Tra­gen von Per­sön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung (PSA), einer Pflicht­un­ter­wei­sung beim Kun­den und dem Aus­spre­chen von Benut­zungs- und Zutritts­ver­bo­ten lie­gen. Außer­dem müs­sen Außen­dienst­mit­ar­bei­ter dazu in der Lage sein, selb­stän­dig zu erken­nen, wel­ches Ver­hal­ten sie an den Tag legen und wel­che Maß­nah­men sie ergrei­fen müs­sen, wenn uner­war­te­te Situa­tio­nen (Betriebs­stö­run­gen, Unfäl­le, etc.) ein­tre­ten. Dazu soll­ten die Mit­ar­bei­ter im Außen­dienst umfas­sen­de Unter­wei­sun­gen erhal­ten, die regel­mä­ßig zu wie­der­ho­len sind.

Außendienst und Home-Office

Außen­dienst­mit­ar­bei­ter, die ihre gesam­te Arbeits­zeit außer­halb des Unter­neh­mens ver­brin­gen, erle­di­gen anfal­len­de Büro­ar­bei­ten meist in den eige­nen vier Wän­den. Auch die Arbeit im Home Office gilt als ver­si­cher­te Tätig­keit. Die Bedin­gun­gen für siche­res Arbei­ten müs­sen somit auch am Haus­ar­beits­platz gewähr­leis­tet sein. Die Bereit­stel­lung eines ergo­no­mi­schen Mobi­li­ars wäre in die­sem Zusam­men­hang eine geeig­ne­te Mög­lich­keit, um die Min­dest­an­for­de­run­gen an Arbeits­räu­me im häus­li­chen Bereich zu gewähr­leis­ten.

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Außen­dienst­mit­ar­bei­ter, die ihre gesam­te Arbeits­zeit außer­halb des Unter­neh­mens ver­brin­gen, erle­di­gen Büro­ar­bei­ten meist im Home-Office. Die­ses muss den arbeits­recht­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen ent­spre­chen.

Angestellter oder Selbstständiger – Die Unterschiede

Vor Beginn einer Tätig­keit im Außen­dienst ist unbe­dingt zu klä­ren, wel­cher arbeits­recht­li­che Sta­tus dem Außen­dienst­ler zuge­spro­chen wird. Arbeit­neh­mer haben näm­lich ganz ande­re arbeits­recht­li­che Ansprü­che als Selbst­stän­di­ge und Frei­be­ruf­ler. Arbeit­neh­mer sind abhän­gig vom Unter­neh­mer, wei­sungs­ge­bun­den und in den Betrieb ein­ge­glie­dert. Sie kön­nen Arbeits­zeit und –ort nicht voll­kom­men frei bestim­men und ver­die­nen meist etwas weni­ger als Selbst­stän­di­ge. Dafür genie­ßen Arbeit­neh­mer zahl­rei­che arbeits­schutz­recht­li­che Vor­tei­le. So haben die­se Anspruch auf die regel­mä­ßi­ge Zah­lung einer zumin­dest teil­wei­se fes­ten und erfolgs­un­ab­hän­gi­gen Ver­gü­tung. Pro­vi­sio­nen und Prä­mi­en, die für über­zeu­gen­de Ver­kaufs­er­fol­ge gezahlt wer­den, erhält der Arbeit­neh­mer zusätz­lich, wenn er sich in einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis befin­det. Außer­dem haben Arbeit­neh­mer das Recht auf Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und im Urlaub. Sie genie­ßen einen Kün­di­gungs­schutz und müs­sen ihren Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trag nicht kom­plett allei­ne zah­len. Der Arbeit­ge­ber betei­ligt sich dar­an.

Dienstreisezeit = Arbeitszeit?

Oft stellt sich die Fra­ge, ob für die Rei­se­zeit zum Ein­satz­ort ein Ver­gü­tungs­an­spruch besteht. Eine all­ge­mei­ne Rege­lung exis­tiert hier nicht. Ent­spre­chen­de Anga­ben fin­den sich aber häu­fig im Arbeits- oder Tarif­ver­trag. Fehlt eine sol­che Rege­lung, gilt der all­ge­mei­ne Grund­satz, dass die Dienst­rei­se­zei­ten dann zu ver­gü­ten sind, wenn sie in die regu­lä­re Arbeits­zeit fal­len. Sofern die Dienst­rei­se­zeit außer­halb der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Arbeits­zeit liegt, ist auch die­se zu ver­gü­ten, wenn der Arbeit­neh­mer die­se Zeit über die regel­mä­ßi­ge Arbeits­zeit hin­aus im Inter­es­se des Arbeit­ge­bers auf­wen­det und eine Ver­gü­tung den Umstän­den ent­spre­chend zu erwar­ten ist. Da das Rei­sen zen­tra­ler Bestand­teil der Außen­dienst­tä­tig­keit ist, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Dienst­rei­se­zeit als Arbeits­zeit gilt und folg­lich auch ver­gü­tet wird. Aus­nah­men bestä­ti­gen aller­dings die Regel. So gel­ten Rei­se­zei­ten des Arbeit­neh­mers vom Wohn­ort zum Kun­den nicht zwangs­läu­fig als Arbeits­zeit – auch dann nicht, wenn der Wohn­ort des Arbeit­neh­mers ver­trag­lich als sein Ein­satz­ort fest­ge­setzt ist.

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Gilt die Dienst­rei­se­zeit als Arbeits­zeit? Im Außen­dienst ist das für gewöhn­lich der Fall. Aus­nah­men bestä­ti­gen jedoch die Regel.

Betriebsrat – Faire Arbeitsbedingungen für den Außendienst aushandeln

Es ist deut­lich gewor­den, dass Arbeit­ge­ber bei ihren Mit­ar­bei­tern im Außen­dienst ver­gleichs­wei­se gro­ßen Hand­lungs­spiel­raum haben, was die Arbeits­be­din­gun­gen angeht. So wer­den Arbeits­zeit, die Nut­zung von Dienst­fahr­zeu­gen und die Zah­lung von Pro­vi­si­on und Prä­mi­en oft geson­dert aus­ge­han­delt. Bei der Fest­le­gung der Arbeits­be­din­gun­gen von Außen­dienst­mit­ar­bei­tern kommt dem Betriebs­rat zen­tra­le Bedeu­tung zu. Als Inter­es­sen­ver­tre­tung der Arbeit­neh­mer ist er auch dafür zustän­dig, die Anlie­gen der beschäf­tig­ten Außen­dienst­ler best­mög­lich zu ver­tre­ten. Zu die­sem Zweck ver­fügt der Betriebs­rat über Mit­be­stim­mungs­rech­te bei der Aus­hand­lung indi­vi­du­al- und kol­lek­tiv­recht­li­cher Rege­lun­gen. Spe­zi­el­le Semi­na­re und Schu­lun­gen ver­mit­teln den Betriebs­mit­glie­dern das dafür erfor­der­li­che Wis­sen. Sie erfah­ren, wie sie die im Außen­dienst befind­li­chen Kol­le­gen bei arbeits­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen unter­stüt­zen und wie sie arbeits­recht­li­che Rege­lun­gen im Sin­ne der Außen­dienst­ler aus­han­deln. Beson­ders span­nend wird es, wenn die Betriebs­rats­mit­glie­der selbst im Außen­dienst tätig sind. Dann ler­nen sie, wie sie die Aus­übung ihres Amts best­mög­lich mit ihrer Außen­dien­st­ar­beit in Ein­klang brin­gen kön­nen.